Ein Workshop mit Rüdiger Dannemann und Hassan Maarfi Poor im Gedenken an Hans-Jürgen Krahl
Wann: 21.10.2026, 16:00 Uhr
Wo: Kant-Saal, Philosophisches Seminar der Universität Heidelberg
Die Kritische Theorie wird allgemeinhin mit der Frankfurter Schule gleichgesetzt. Tatsächlich hat kritische Theorie – verstanden als kritisches Denken – eine lange Vorgeschichte, die über die Kritische Theorie und die Frankfurter Schule weit hinausgeht.
Abseits der bekannten Theorieschulen ist in einer kritischen Auseinandersetzung mit der Frankfurter Schule um Hans-Jürgen Krahl eine radikalere Tradition entstanden, die sich weit mehr vom Hegelmarxismus nährte als die Frankfurter Schule. Nachdem Krahl von Adornos negativer Dialektik und Horkheimers Unterstützung der Vereinigten Staaten bei der militärischen Intervention in Vietnam enttäuscht worden war, wandte er sich Georg Lukács zu. Er machte sich daran, mit Lukács etwa die Organisationsfrage neu zu denken; dabei wollte er die rebellische Bewegung von 1968 in umstürzlerische Gruppen überführen.
Krahl entdeckte in seinem kurzen Leben zahlreiche wissenschaftliche Bereiche und ließ ein bedeutendes Werk zurück. Er ist Teil einer intellektuellen Tradition, die sich auf den Hegelmarxismus und die Praxisphilosophie stützt / beruft.
Dabei war es Krahl ein wichtiges Anliegen, die Sphären der Intellektualität und der Straße – also die intellektualisierte Arbeiterklasse und die proletarisierenden Intellektuellen – miteinander zu verbinden.
Im Kant-Saal des philosophischen Seminars setzen wir uns am 21. Oktober 2026 in einem Workshop mit Krahls Werk und Erbe auseinander. Geleitet wird der Workshop von Rüdiger Dannemann und Hassan Maarfi Poor. Wir möchten Krahl als einen kritischen Theoriekritiker, einen vergessenen Philosophen der Praxis und einen radikalen Kritiker der bürgerlichen Gesellschaft in Erinnerung rufen, besonders in einer Zeit, in der der Faschismus immer salonfähiger wird und die politische und gesellschaftliche „Mitte“ eine deutliche Verschiebung nach rechts erlebt.
Diese Veranstaltung wird vom Evangelischem Studienwerk Villigst gefördert.
