Historisch-materialistische Auseinandersetzung mit der Religion und der Befreiung des Menschen von der Religion

1. Einleitung

In dieser Arbeit wird versucht, eine historisch-materialistische Auseinandersetzung mit der Religion darzustellen. Gleichzeitig werde ich in Bezug auf unterschiedliche Diskurse in der Geschichte des historischen Materialismus, der heute Marxismus genannt wird, die Debatte um die Religion als eine illusorische Weltanschauung und Hoffnung der Menschen herausarbeiten. Außerdem wird die Debatte um Nationalität und Nationalismus in Verbindung mit Religion sowie ihre Gemeinsamkeiten und Kontroversen angerissen. Der historische Materialismus von Marx soll eine befreiende, emanzipatorische Rolle in der Auseinandersetzung mit der Gesellschaft spielen und muss den Menschen vor Augen führen, dass die Befreiung von Identität nicht mit der Schaffung neuer Identität vollzogen werden kann. Eines der zentralen Themen in dieser Auseinandersetzung ist das Judentum als Religion und Juden als eine Gruppe von Menschen, aus deren Religion nicht nur eine Nation, sondern auch „Race“ gemacht wird.  Warum darf eine Religion zur „Race“ und Nationalität sowie die Konstrukte, die in der Realität nicht existieren, eine Realität werden? Diese Frage wir in dieser Arbeit mit Bezug auf das Judentum bearbeitet.

Es wird in dieser Arbeit auch die Verwirrung über Antisemitismus, rechte und linke Analysen und Kritik an der Religion aufgegriffen und gezeigt, wie die rechten Kräften Religion bekämpft haben und bekämpfen wollen und was im Gegensatz dazu radikale linke Kritik an Religion ist. Deshalb beschäftige ich mich in dieser Arbeit mit dem Antisemitismus als eine brutal unmenschliche Form des Rassismus, der sich in der Geschichte in den letzten Jahrhunderten immer wieder auf unterschiedliche Weisen reproduziert hat. Die Geschichte des Antisemitismus ist, wie viele Autoren wie Marx, Engels und Lukacs bestätigen, mit der Geschichte des Christentums eng verbunden. Daher sage ich wie Engels, dass der Antisemitismus „Merkzeichen einer zurückgebliebenen Kultur“ ist und insbesondere in deutschsprachigen Ländern existiert (Engels 1972, S. 49). Der Antisemitismus nach Engels ist nicht mehr „als eine Reaktion mittelalterlicher untergehender Gesellschaftsschichten gegen die moderne Gesellschaft“ und gehört daher zum feudalen Sozialismus (Engels 1972, S. 50–51) als eine reaktionäre modernefeindliche Ideologie des Kleinbürgertums mit konservativer Ideologie und christlichen Werten. Er gehört nicht in die „moderne“ Gesellschaft, aber wie Marx beschreibt, ist  die „moderne“ Welt eine verkehrte Welt, in der Antisemitismus, Rassismus, Judenhass, Muslimphobie, Religion und verkehrte Ideologie durch die herrschende Klasse nicht nur propagiert, sondern auch sehr stark durch die Indoktrinierung der Bevölkerung restauriert und reproduziert wird. Wenn wir die Religiosität des Staates als Überbau der vorkapitalistischen und der feudalen Herrschaft betrachten, müssen wir davon ausgehen, dass die bürgerlichen Revolutionen wie die Französische Revolution eine antireligöse Form des Widerstandes umsetzten, die Religiosität des Staates in Frage stellten, um die Hegemonie der herrschenden Klassen in der Zeit des revolutionären Umbruches zu bekämpften und den Säkularismus zumindest in den Westen zu bringen. Es ist aber eine Illusion, wenn wir davon ausgehen, dass der Kapitalismus als eine Form der Herrschaft, in der eine bestimmte Klasse Macht über die Gesellschaft und damit die anderen Klassen ausübte, ausübt und ausüben wird und Religion als ein Mittel das Aufrechterhalten dieser Macht und für das Zufriedenhalten der Unterdrückten braucht, säkular und religionskritisch wird und bleibt. (Lenin, 404ff) USA wurde als das Land der Religiosität bezeichnet, was schon Marx in Bezug auf die Reiseberichte von Tocqueville Über die Demokratie in Amerika von 1835/40 beschrieb, dass die USA trotz der formalen Säkularisierung des Staates seit der dortigen Revolution die Religionsfrage in der realen Lebenswelt nicht lösen konnten. Diese Frage der Religiosität in den USA spielt bis heute eine große Rolle in der Realpolitik. Auf diese Untersuchungen von Tocqueville berufen sich sowohl Marx als auch Weber (Rehmann 2013, S. 44). Die Kontrarevolution im Kapitalismus als eine konservative Kraft war und ist immer eine Tatsache innerhalb dieses Systems. Die bonapartistischen Regime in Frankreich und Deutschland waren kontrarevolutionäre Kräfte, die den Säkularismus bekämpften und bekämpfen wollen, um die Herrschaft des Kapitals durch die Religion zu rechtfertigen.

Der Antisemitismus ist nur eine Art des Rassismus, der nicht unbedingt mit heutigem Rassismus direkt verbunden ist. Die Geschichte der Diskriminierung und Unterdrückung der Juden und Jüdinnen ist eine lange Geschichte, die in dieser Arbeit nicht ausführlich dargestellt werden kann. Diese Aufgabe ist die der Historiker und Historikerinnen. Was ich aber hier darstellen möchte, ist eine Herangehensweise. In dieser Arbeit werden soziologische und theoretische Perspektiven klargemacht und es wird gezeigt, inwiefern diese Argumentation sowohl wissenschaftlich als auch marxistisch vernünftig ist. Deshalb werden anstelle einer rein geschichtlichen Untersuchung des Antisemitismus die theoretischen und wissenschaftlichen Hintergründe erwähnt mit unterschiedlichen Theorien aus marxistisch kritischer Perspektive verbunden.

Die Judenfrage ist eine Frage, die häufig in Bezug auf Religionskritik, Nationalismus und Identität des Menschen gestellt und aus zahlreichen Perspektiven beantwortet wurde. Sie war, ist und wird eine Frage der einer Minderheit sein, die damals sehr stark diskriminiert wurde. Mit der Entstehung des deutschen Faschismus und mit dem Holocaust wurde die Judenfrage auf eine andere, absolut menschenverachtende und -vernichtende Ebene gebracht. Was Marx jedoch mit der Judenfrage ansprach, war Religionskritik im allgemeinen Sinne am spezifischen Beispiel und die Frage nach der Emanzipation der Juden des Judentums, der Menschen von der Religion.

In dieser Arbeit geht es auch darum, Verschwörungstheoretikerinnen und Verschwörungstheoretikern darzulegen, dass Antizionismus nicht das gleiche wie Antisemitismus sein darf und wer Antizionismus mit Antisemitismus gleichsetzt nicht als Wissenschaftlerin oder Wissenschaftler anerkannt werden sollte. Zurzeit erleben wir sowohl in Deutschland als auch in den USA und anderen westlichen Ländern, dass die konservativsten christlichen, imperialistischen Parteien als rechter Flügel der bürgerlichen Politik und die linken, zionistischen Gruppierungen in der Gleichsetzung von Antisemitismus und Antizionismus zusammenkommen und jede wissenschaftliche und sachliche Diskussion um die Kritik des Judentums und des Zionismus als konservative, rassistischen, menschenverachtende Ideologie blockieren.

Die Geschichte des Antisemitismus ist wie bereits erwähnt eine lange Geschichte und der deutsche Faschismus war die menschenverachtendste Form des Antisemitismus weltweit. In dieser Arbeit wird gleichzeitig mit Bezug auf die marxistische Theorie gezeigt, dass der Zionismus als eine imperialistische Bewegung ihre faschistische Ideologie gegenüber Palästinenserinnen und Palästinenser durch militärische Ansätze, Assimilationspolitik, Vertreibung der Palästinenserinnen und Palästinenser sowie Siedlungspolitik ihre faschistischen Angriffe und menschenverachtende Politik als Reparation des Holocausts legitimieren will. Die Geschichte des Zionismus als eine Form des Imperialismus wird kurz dargestellt und anhand der „Kritik der politischen Ökonomie“ von Marx, Engels und Lenin wird die imperialistische Bewegung, besonders die neue kolonialistische Politik der USA und westlichen Politik, im Bereich Zionismus kritisiert.

Antisemitismus ist heutzutage zu einem Vorwurf geworden, mit dem jegliche Art der Kritik an der israelischen Politik und am Judentum blockiert wird. Nach den Terroranschlägen der vergangenen Jahre in Europa offenbarten Regierungen und bürgerliche Parteien ihre grotesken bis rassistischen Positionierungen: Auf einer Seite wurden täglich hunderte von Menschen in Palästina, in Afghanistan, im Irak, im Iran, in Syrien, in Pakistan und in afrikanischen Ländern von islamistischen Terrorgruppen und islamistischen Staaten ermordet, erschossen oder erhängt, wogegen es in Europa keinen sichtbaren Protest durch herrschende Politiker gab. Auf der anderen Seite werden islamistische Terroristen teilweise direkt, aber zumindest indirekt mit Waffen aus westlichen Ländern beliefert und damit radikale Bewegungen aus ökonomischen und politischen Interessen ausgenutzt. Zu sehen war, dass der französische Komiker „Dieudonné“ wegen „antisemitischer Äußerungen“ zwei Tage vor dem Anschlag an „Charlie Hebdo“ von französischen Polizist*innen in seiner Wohnung festgenommen wurde.  Die Frage steht im Raum: Weshalb darf man die Religion „Islam“ kritisieren und sich daraus die Bewegung „Je suis Charlie“ formieren, während ein Komiker aufgrund der Kritik an einer anderen Religion festgenommen wird. (Vgl. Kalagh Magazine, 4. Ausgabe, S. 5, aus dem Persischen) Dieser Widerspruch ist die Heuchelei der Doppelmoral im Kapitalismus, in der bürgerlichen Demokratie und im Parlamentarismus. Im Kapitalismus können Menschen mit der Kritik an Flüchtlingen Zuspruch erhalten, aber Menschen werden Antisemitinnen und Antisemiten genannt, wenn sie Israel oder das Judentum kritisieren oder über Juden und Jüdinnen satirisch behandeln.

Bei Antizionismus handelt es sich um eine linke, radikale Bewegung und Kommunistinnen und Kommunisten, die nach dem Fall der Berliner Mauer und nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion, nach dem Neoliberalismus und nach dem Postmodernismus, Positivismus und der Philosophie von Heidegger, ihre kommunistische Position behalten haben. Sie Antisemitinnen und Antisemiten zu nennen, ist in meinen Augen eine Verschwörungstheorie. Die Analyse, die Antideutsche gegen ihre Feinde benutzen, ist teilweise rassistisch oder viel rechter als die „Analyse“, die von der rechten Szene auf Kommunistinnen und Kommunisten angewandt wird. Obwohl die Antideutschen sich in der linken Szene verorten, gehören sie praktisch zu Verschwörungstheoretikerinnen und Verschwörungstheoretikern und passen sie nicht ins linke Spektrum.

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Hassan Maarfi Pour

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