„Multikulturalismus“ – eine komplexe Debatte

„Multikulturalismus“ – eine komplexe Debatte

Hassan Maarfi Poor

Multikulturalismus ist eine neue Debatte und Weltanschauung, die sich mit der „Pluriethnizität“ und dem Pluralismus beschäftigt. Es gibt zwei Ansätze über die Entstehung des Multikulturalismus, die beide teilweise Recht haben. In dieser Arbeit geht es aber nicht darum, welcher dieser Ansätze richtiger ist, sondern darum, dass diese Debatte radikal kritisiert und gezeigt werden muss, warum Multikulturalismus keine Lösung für den Schutz der Menschenrechte sein kann. Einigen Wissenschaftler*innen zufolge entstand der Begriff des Multikulturalismus in Kanada im Jahr 1971, als die Politik in diesem Jahr sich auf die pluralistische Ebene orientierte, und wurde mit der Zeit in den 80er und 90er Jahren mehr oder wenig von anderen Ländern übernommen (Vgl. 1993. Taylor). Andere wie John Rex sind aber der Meinung, dass der Multikulturalismus mit der Migration nach Großbritannien entstand und Großbritannien wegen der Einwanderung aus unterschiedlichen Ländern die erste Multi-Kulti Gesellschaft ist (Vgl. Rex, John , S 206ff, 1999). Der Multikulturalismus ist eine politische und ideologische Einstellung der sogenannten Rechtsstaaten, die der Meinung waren, dass die Zeit der blutigen Kriege vorbei ist. Der Multikulturalismus ist gleichzeitig eine Debatte der Globalisierung. Mit der Entwicklung der Globalisierung der Wirtschaft wird die Globalisierung der Politik und Kultur auch entwickelt. Oberflächlich und journalistisch wird Multikulturalismus „positiv“ dargestellt, aber wenn wir uns ein bisschen von der allgemeinen Vorstellung von der Realpolitik entfernen wollen, können wir den Widerspruch des Multikulturalismus darstellen und sowohl politisch als auch empirisch zeigen, dass diese Darstellung im Gegensatz zu ihren Vertreter*innen steht, die meist staatstreu sind und gar nicht kritisch gegenüber dem Kapitalismus, der Ausbeutung, modernem Kolonialismus (Globalisierung) stehen und im besten Fall bürgerliche Demokratie als Rechtsstaat betrachten.
Auf theoretischer Ebene will Multikulturalismus eine Gesellschaft vertreten, in der alle Minderheiten ihre „Rechte“ haben, sowohl religiöse Minderheiten als auch ethnische Minderheiten. Die Freiheit auf Selbstbestimmung sollte in sich positiv sein, aber wir müssen uns fragen, wie die Freiheit von Menschen, besonders der Minderheiten, geschützt werden kann, obwohl ihre Freiheit durch ein ausbeuterisches Verhältnis der Herrschenden und der Besitzer*innen des Kapitals beschränkt wird. Sie leben in einem Verhältnis, in dem die Freiheit von Menschen aufgrund gesellschaftlicher Ungleichheit automatisch verletzt wird, weshalb ich sagen kann, dass die Freiheit von Menschen existieren kann, wenn sie in einer gleichen Situation und gleicher Gesellschaft leben dürfen. Multikulturalismus ist eine relativistische Betrachtung auf einer oberflächlichen Ebene. Multikulturalismus beschäftigt sich nicht mit der Kernfrage der Ungleichheit in der Gesellschaft. Er beschäftigt sich mit der Kultur, aber er hat keine genaue Vorstellung von der Kultur. Die Vertreter*innen des Multikulturalismus wollen nicht wissen, dass die Kultur aus bestimmten Produktionsweisen in jeder Gesellschaft entwickelt wird. Sowohl im Westen als auch im Osten und weltweit herrscht der Kapitalismus und die Herrschenden können und wollen keine Entwicklung von Kulturen, die ihre hegemoniale Herrschaft in Frage stellen. Deshalb haben wir gesehen, wie die Vertreter*innen des Multikulturalismus ihre Position mit der Zeit zurücknahmen und sagten, dass der Multikulturalismus nicht funktioniere. Selbst Kanzlerin Merkel sagte in einem Redebeitrag, dass der Multikulturalismus in Deutschland nicht funktioniere (Spiegel Online, 2010) In den letzten Jahren mit der Entstehung des faschistischen Islamismus im Irak und Syrien und der Radikalisierung der islamischen Verbände in Europa sowie mit terroristischen Anschlägen und der Gründung der „Scharia Polizei“ in Deutschland (Wuppertal und Düsseldorf) (Spiegel online, 2015), hat die deutsche Regierung eine antimultikulturalistische Position entwickelt, die „Großzügigkeit“ des deutschen Staates gegenüber dem Islam und allen Ausländer*innen verringert. Im Fernsehen und im deutschen Bundestag sagte CDU/CSU-Politiker*innen offiziell, dass sie keine Toleranz mehr haben und der Gesetzgeber gegenüber allen das gleiche Verhältnis haben solle.
Multikulturalismus kämpft in der Theorie für die „Gerechtigkeit“ der Kulturen, die Minderheiten und ist gegen Assimilation der religiösen und ethnischen Minderheiten, aber gleichzeitig wird häufig in sogenannten „gerechten“ Staaten von der „Integration“ gesprochen. Die Integrationsdebatte widerspricht dem Multikulturalismus, weil in einer Multikulti-Gesellschaft keine Integration zwischen Salafisten und fundamentalen religiösen Christ*innen, Jüd*innen und anderen Religiösen stattfinden kann. Deshalb braucht die moderne Gesellschaft eine moderne Verfassung, die Menschenrechte anstatt den fundamentalistischen Glauben schützen soll. Die Freiheit des Individuums zum Glauben soll nicht mit Akzeptanz der Religion oder Faschismus verwechselt werden.
Der Multikulturalismus birgt die Gefahr, dass die Gesellschaft statt einer Weiterentwicklung auf kultureller Ebene, eine Rückkehr in der Geschichte vollzieht. Die säkularen Verfassungen in vielen europäischen Ländern sind kein Geschenk des Staates an die Bevölkerung, sondern sind durch den Kampf der Menschen in den letzten dreihundert/300 Jahren erreicht worden. Die „Moderne“ hat sich aus diesem Kampf weiterentwickelt. Multikulturalismus, der sich anhand von Pluralismus, Postmodernismus, absoluten Relativismus usw. definiert, will die Entwicklungen, welche die Menschheit bis jetzt gemacht hat durch die Zerstörung der „Moderne“ in der Praxis wieder vom Menschen wegnehmen.
Multikulturalismus hat zwei Seiten: Die theoretische Seite kann schön aussehen, aber die Verwirklichung des Multikulturalismus auf praktischer Ebene zeigt, dass die Menschenrechte mit der Umsetzung des Multikulturalismus zerstört werden können. Ein Bespiel dafür ist die Entwicklung der islamischen Verbände in letzten 30 Jahren in Europa sowie hunderte Frauenrechtsverletzungen durch islamische Familien und hunderte Frauen, die von fundamentalistischen Familien getötet wurden, die wegen ihres religiösen Hintergrunds nicht bestraft wurden usw. Insofern lehnen die Marxist*innen als Vertreter*innen der universalistischen Emanzipation der Menschheit jede Form der pluralistischen oder relativistischen Einstellung in der Gesellschaft ab, die gegen Fortschritte in Richtung Emanzipation stehen und positionieren sich kritisch gegenüber allen Einstellungen, Gedanken, Ideologien usw. Ich muss aber hier orthodoxe Marxist*innen von poststrukturalistischen Marxist*innen trennen. Der poststrukturalistische Marxismus beschäftigt sich mehr mit dem „Überbau“ und mit der Verständigung der „Kulturen“, weshalb diese Art des „Marxismus“ nicht in die emanzipatorische Bewegung passen kann, die die Gesellschaft nicht nur interpretieren soll, sondern verändern will. (Vgl. Marx Feuerbach These, 1845, elfte These, Band 3, S 5ff Aufrufbar im Internet)
Neben der relativistischen „Ideologie“ der Vertreter*innen des Multikulturalismus, verbreitete sich nach dem 11.09.2001 eine menschenverachtende „Ideologie“, die von Samuel Huntington nach dem Kalten Krieg 1993 mit der Veröffentlichung seines Buches “Kampf der Kulturen““ vertretet wurde. Diese Ideologie bezieht sich auf den Überbau und versucht die Weltpolitik mit den Unterschieden zwischen islamischer „Welt“ und christlicher „Welt“ zu erklären. Er geht davon aus, dass die östlichen Gesellschaften allgemein islamische Gesellschaften auf der dunklen Seite der Erde seien und der Westen das Paradies auf Erden. Wir müssen diese oberflächliche Debatte im Zusammenhang der antikommunistischen, neoliberalistischen Ideologie von Francis Fukuyama, dem Autor des Buches „Das Ende der Geschichte“, betrachten. Nach dem Fall der Sowjetunion wurde die antikommunistische Welle aus den USA weltweit verbreitet und die Ideologie von „Thatchers und Reagan“ wurde von Friedman, Hayek, Huntington, Fukuyama usw. auf theoretischer Ebene verfolgt. In diesem komplizierten Zusammenhang kann Multikulturalismus betrachtet, analysiert und kritisiert werden. (Vgl. Maarfi Poor, 2015/2016 Sozialstaat, Produkt des Klassenkampfs oder des bürgerlichen Humanismus)
Multikulturalismus versucht, in der Gesellschaft Vielfalt und Diversität der unterschiedlichen migrantischen und nicht-migrantischen Kulturen einen Raum zu schaffen, in dem Menschen ihre Ideologie und ihre Religionen behalten sollen und gleichzeitig ein Teil der Gesellschaft sein können. Die erste Kritik gründet auf der Frage, wie das Rechtssystem in Industriegesellschaften gestützt werden kann, das teilweise mit dem Kampf von Menschen mit kritischer Perspektive geschaffen wurde. Wie können in einem „gerechten“ Staat unterschiedliche „Rechtssysteme“ parallel in der „Realpolitik“ existieren?
Es muss aber auch gesagt werden, dass das Rechtssystem für einen Großteil der Bevölkerung kein Rechtssystem ist, weil dieses System die Ausbeutung der Mehrheit legitimiert und mit Staats- und Polizeiapparat (Gewaltmonopol) gesetzlichen Diebstahl schützt. Insofern können wir aus marxistischer Perspektive sowohl die Realpolitik, als auch das Rechtssystem ungerecht nennen.
Einerseits wird häufig von multikultureller Gesellschaft gesprochen, anderseits gibt es keine genaue Vorstellung von Multikulturalismus, weshalb diese Debatte automatisch unterschiedlich verstanden wird. Zudem ist „Integration“ in sich ein Widerspruch zum Multikulturalismus, da jede Form der „Integration“ teilweise Assimilation mit sich bringt. Die Debatte der Leitkultur ist eine Debatte besonders in Deutschland, die den Multikulturalismus auflösen will und ist daher eine Art der Assimilation, weil Leitkultur für Immigrant*innen das Vergessen ihrer Kultur und die Akzeptanz „deutscher Kultur“ bedeutet. Deswegen können wir sagen, dass die Vorstellung von „Deutscher Kultur“ auch nationalistisch und sogar rassistisch sein kann (Herzinger. 2010).
Die marxistischen Analysen des Multikulturalismus und marxistische Kritik der Kultur zeigt, dass die Kultur existieren kann, sobald die Gesellschaft sich von der Wildheit zu anderen Gesellschaften entwickelt hat (Vgl. Engels, 1926, S 30-35) Wir können nicht von der Kultur sprechen, bevor die Menschen eine Sprache entwickelt haben und über die Sprache ihre Erfahrungen weitergeben können. Deshalb sind Sprache und Kultur eng miteinander verbunden. Ein weiterer Punkt marxistischer Kritik ist, dass die Herrschenden ihre Kultur über Institutionen wie das Wirtschaftssystem, Rechtssystem, Schulen, Universitäten, Kirchen, Moscheen, Familie, Medien usw. produzieren und reproduzieren und versuchen, ihre Kultur zu verallgemeinern. Die allgemeine Kultur z.B. in Deutschland ist keine „deutsche Kultur“ sondern ist eine Kultur, die von der Realpolitik als „deutsche Kultur“ bezeichnet und verallgemeinert wird, während neben dieser „Hochkultur“ gleichzeitig unterschiedliche Kulturen produziert und reproduziert werden, die nicht in den Kontext der „Hochkultur“ passen. Multikulturalismus bietet auch die Möglichkeit, dass in Multikulti-Gesellschaften nicht nur eine „Hochkultur“ sondern auch andere Arten von Kultur sich reproduzieren können, die teilweise zeitlich nicht zur „Moderne“ passen und die Gesellschaft rückschrittlich machen. Aber in multikulturellen Gesellschaften werden die kritischen und emanzipierten Ideen und Kriterien, die primitive, sexistische, rassistische und faschistische Ideologien bekämpfen und die Realpolitik auflösen wollen, sofort als extremistische linke Einstellungen blockiert und beseitigt. Die Frage ist, wie Multikulturalismus, Faschismus, Christentum, Islam, Nationalismus, Sexismus, Rassismus usw. akzeptiert und gesagt werden kann, dass wir in einer Multikulti-Gesellschaft leben und alle Ideologien respektieren müssen, aber selbst extrem antikommunistisch sein. Diesen Widerspruch sollen die Anhänger des Multikulturalismus beantworten. Deshalb nenne ich Multikulturalismus eine postmodernistische, neoliberalistische Art der Politik , die absolut antiuniversalistisch, antikritisch, antikommunistisch und antiemanzipatorisch ist. Wie bereits geschrieben beschäftigt sich Multikulturalismus mit der Oberfläche und dem Überbau im Westen. Im Multikulturalismus kommt es nie vor, dass die Immigrant*innen gleiche Chancen wie Bürger*innen haben. Multikulturalismus kritisiert nicht die Ausbeutung der billigen ausländischen Arbeitskräfte im Westen. Multikulturalismus kritisiert nicht die Globalisierung. Für Anhänger*innen dieser These scheint es kein Problem darzustellen, dass die deutsche Industrie oder die Deutsche Bank weltweit Kriege fördern und Arbeiter*innen in anderen Ländern ausbeuten. Im Multikulturalismus hat der Mensch in sich keinen Wert sondern ist seine Kultur, die geschützt werden muss und respektiert werden soll.
Marxismus aber fängt von der Kritik der politischen Ökonomie an und versucht die Ungleichheit zuerst auf wirtschaftlicher Ebene zu bekämpfen und danach eine universale emanzipatorische Kultur zu schaffen, in der die Diskriminierung der Frauen, der Queeren und „Fremden“ gesetzlich verboten wird, in der Privateigentum abgeschafft wird, kollektive Interessen der Menschheit berücksichtigt werden, in der die Menschen nicht mehr wegen der Hautfarbe, „Nationalität“, Gender, sexueller Orientierung, „Rasse“ usw. Assimiliert und diskriminiert werden müssen. Diese Gesellschaft, von der Marxist*innen sprechen, kann keine Utopie sein, insofern die Arbeiter*innenklasse und kommunistische Bewegung mit ihrer Praxis Kapitalismus abschafft und die Selbstentfremdung des Menschen auflöst. Multikulturalismus war keine Alternative für die Emanzipation der „Fremden“, Immigrant*innen, Minderheiten usw. Deshalb sagte die konservative deutsche Kanzlerin Merkel und Vertreterin von einer der konservativsten Parteien, dass Multikulturalismus in Deutschland gescheitert ist (Spiegel online, 2010).
Über die Akzeptanz der Freiheit des Individuums kann ich sagen, dass die Marxist*innen Freiheit zu Glaube, Meinungsfreiheit und Freiheit allgemein akzeptieren insofern das Individuum nicht die Freiheit von anderen wegnimmt. Mit anderen Worten können die Menschen in einer sozialistischen Gesellschaft sexistisch, faschistisch oder kapitalistisch denken, aber falls sie versuchen, ihre Freiheit auszunutzen um Freiheit oder Gleichheit von anderen Menschen wegzunehmen, wird nicht mehr ihre Freiheit respektiert. In der kapitalistischen multikulturellen Gesellschaft aber wird gesetzlich die Freiheit auf gleiches Privateigentum von Menschen mit Hilfe des Staates, Justiz und dem Gewaltmonopol weggenommen. Multikulturalismus unterstützt diese Art von Menschenrechtsverletzung, die der Kern aller anderen Menschenrechtverletzungen und Freiheitsberaubung ist.
Mansour Hekmat sagt in einem Interview, die Demokratie eine Realität und keine Meinung sei. Für ihn drückt sich in der Demokratie aus, wie die Bourgeoise die Freiheit betrachtet, mit anderen Worten wie ein Bourgeois die Freiheit sieht. Demokratie ist die Forderung der untersten Schichten und Klassen gewesen und bürgerliche Klassen versuchten und versuchen die Freiheit mit der Demokratie ersetzen (Vgl. Hekmat, 1993).
Nach Hekmat ist der Pluralismus und Parlamentarismus für die Bourgeoise das letztes Ziel, das sie erreichen wollen oder teilweise erreicht haben, wobei sie diese Formen der kapitalistischen Herrschaft unterschiedlich benennen wollen (Vgl. Ebd.). Nach John Rex ist Multikulturalismus eine Gesellschaft, in der Pluralismus und humane Aktivität innerhalb kapitalistischer Gesellschaften existieren sollen (Vgl. Rex, 1999, S. 210).
Marxistische Kritik des Multikulturalismus fängt damit an, dass in jeder kapitalistischen Gesellschaft die Rechte der Minderheiten verletzt werden und daher Kapitalismus nicht mehr in der Lage ist die Frage der Minderheiten zu beantworten. Deswegen sollten wir uns auf die Überwindung des Kapitalismus konzentrieren, anstatt für eine Lösung innerhalb des Kapitalismus zu suchen. Das widerlegt aber den Kampf für die Reformen nicht, solange die Kernargumentation des Marxismus unter reformistischen Perspektiven nicht untergegangen ist. Ein Beispiel für die Emanzipation der Minderheiten, das nicht innerhalb des kapitalistischen Staaten stattfand, ist die Autonomie Finnlands nach der Oktoberrevolution durch Selbstbestimmung für alle Minderheiten (z.B. Ukrainer*innen und Pol*innen ), (Vgl. Plener, 2009, S. 46) und die Emanzipation der Frauen für eine bestimmte Zeit in der Sowjetunion.(Vgl. Lenin, 1961, S. 25ff) Als Alexandra Kollontai Ministerien in der Sowjetunion war, hatten Frauen im Westen keine Rechte auf Wahlbeteiligung. Erst sechs Jahre später konnten Frauen in den USA und Europa wählen. Ich möchte hier diese Arbeit zu Ende bringen und betonen, dass ohne eine radikale Veränderung in der kapitalistischen Herrschaft und ohne Auflösung des Kapitalismus und der kapitalistischen Produktionsweise mit einer Ablösung durch eine sozialistische Produktionsweise, ohne Abschaffung jeder Form von Ausbeutung, Diskriminierung usw. nie und nirgendwo die Mehrheit der Menschen zu Gleichberichtigung kommen kann. Deshalb ist die Debatte des Multikulturalismus in sich eine oberflächliche Debatte, die mit dem Fokus auf die Oberfläche der Gesellschaft und den Überbau jede radikale Fragestellung nach radikaler Veränderung beseitigt und kapitalistische Herrschaft schützt. Ich habe mehrere Male in dieser Arbeit erwähnt und erläutert, dass die Kultur als Überbau Produkt der Basis in jeder Gesellschaft ist und die Veränderung der Kultur in den meisten Fällen durch die Veränderung der Produktionsweise stattfinden kann. Es kann auch wiederum verstanden werden: Ohne Gleichheit der Menschen im ökonomischen Bereich können keine gleichen Rechte existieren. Multikulturalismus hängt nicht mit der Kritik der Ungleichheit im wirtschaftlichen Bereich zusammen. Multikulturalismus ist eine Ablenkung der Arbeiter*innenklasse vom internationalem Klassenkampf zu separatistischen, ethnischen, religiösen Bewegungen, die statt der Emanzipation von Minderheiten Nationalismus, Rassismus, Religion usw. verstärkt.
Eine kurze Anmerkung:
Viele Quellangaben dieser Arbeit wurden alles Grundlage für meine Analysen benutzt und weder direkt noch indirekt zitiert, aber ihr Einfluss auf meine Perspektive auf das Thema sind nicht zu ignorieren.

Literaturverzeichnis
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