Antinomien der reinen Vernunft Kants primitiver Versuch zur Überwindung der primitiven transzendentalen Dialektik

1.      Einleitung

In dieser Arbeit versuche ich zuerst, einen kurzen Überblick über die kantische Theorie zu geben und dabei seine grundlegende Theorie sowie den Hintergrund seiner Analyse in „Kritik der reinen Vernunft“ und anderen Schriften kurz zusammenzufassen. In den Kapiteln 3 und 4 greife ich seine transzendentale Dialektik und deren Unterschied zur hegelschen und marxschen Dialektik auf (Kapitel 3) und rekonstruiere die Antinomien nach Kant (Kapitel 4). Abschließend werde ich die Arbeit zusammenfassen und Kant aus einer historisch-materialistischen Perspektive kritisieren. Kant gehört zu einem der meistgelesenen Philosophen, dessen Lehre und Philosophie als eine kosmopolitische Weltanschauung in verschiedenen Bereichen (im monarchischen und bürgerlichen Staatsapparat, in der Moralphilosophie innerhalb der bürgerlichen Ordnung, der Justiz, den Schulen, Universitäten,  in den NGOs und anderen Organisationen, in der Ästhetik, der Geografie, Physik und teilweise der Mathematik) rezipiert, unterrichtet und angewandt wird. Wegen seiner Analyse in Bezug auf die kopernikanische Wende (Revolution) wird Kant häufiger als andere Denker seiner Zeit verwendet, obwohl Kant im Gegensatz zu Vertretern der kopernikanischen Wende wieder den Menschen als Subjekt in den Mittelpunkt seiner Philosophie stellte. Die kantische Analyse der Metaphysik lehnt die klassische Metaphysik ab und versucht, die Metaphysik durch ihre Erneuerung wieder lebendig zu machen. In der Vorrede von „Die Kritik der reinen Vernunft“ bezeichnet er die Metaphysik als die einzige Wissenschaft und den Kampfplatz, der über die Grenzen der Erfahrungen hinausgeht und die Widersprüche und die Dunkelheit anerkennt, die nicht durch die Erfahrung zu begreifen sind. (Kant 1970, A VII, VIII, IX, 11) Er war der Meinung, dass die Metaphysik durch die Dogmatiker ihren Ruf verloren hatte, obwohl sie zu anderer Zeit die Königin aller Wissenschaften genannt wurde. (Kant 1970, Ebd, AX 11-12)

Kant versucht die Vernunft vom Verstand zu unterscheiden und sie über den Verstand zu stellen. Vernunft versteht Kant als ein abstrahiertes Bild von den Zusammenhängen und Widersprüchen der Dinge sowie einer logischen Harmonie in den Dingen, die man nicht durch die Erfahrung und Empirie bilden könne. So braucht man nach Kant die transzendentale Dialektik und die Metaphysik, damit die Vernunft überhaupt funktionieren kann. Die kantische Analyse und Theorie basieren auf der transzendentalen Philosophie. Um die transzendentale Philosophie zu verstehen, muss man die Geschichte dieser Philosophie vor Kant in der Antike und in der mittelalterlichen Philosophie untersuchen. Da die Kapazität dieser Arbeit begrenzt ist, kann ich die Entwicklung der transzendentale Philosophie nur kurz aufgreifen, ihren Unterscheid zur kantischen transzendentalen Philosophie aufzeigen und im Laufe der Arbeit die Idee der Transzendenz nach Kant klären. Es ist wichtig zu erwähnen, dass das Transzendenzproblem als Problem des Ungenügens an Wirklichkeit formuliert wird. (Handbuch philosophischer Grundbegriffe 1973, S. 1541)  Hegel kritisiert die kantische transzendentale Weltanschauung und findet seine Theorie zu abstrakt und losgelöst von der Wirklichkeit. Indem Kant von dem Zurückgehen des Individuums auf ein unsichtbares Ichs spricht, wovon er sich die absolute Freiheit und das Sich Erkennen des Menschen erhofft, spricht er nicht mehr von der Wirklichkeit, sondern von einer abstrahierten Vorstellung von der Freiheit des Individuums, die nie in der Wirklichkeit vorstellbar ist. (Hegel 1975a, 228 ff) Die marxsche Philosophie greift im Gegensatz zu der kantschen und hegelschen die gesellschaftliche Wirklichkeit auf, indem Marx die Entwicklung der Gesellschaft historisch-materialistisch betrachtet; eine Entwicklung, die durch den dauerhaften Antagonismus und  Zusammenstoß der Klassen zustande kommt. Anstatt sich mit Fragen der Endlichkeit oder Unendlichkeit der Welt zu befassen, versucht er, die Philosophie als Kampfplatz in der revolutionären Praxis des Menschen für die Überwindung der Herrschaft der Unterdrücker über die Unterdrückten zu nutzen. Aus diesem Grund wird seine Philosophie auch „Philosophie der Praxis“ genannt.

2.      Ein kurzer Überblick über die kantische Theorie

Kant veröffentlichte sein Werk und seine Auseinandersetzung mit der Entstehung der Welt, des Sonnensystems und der Endlichkeit oder Unendlichkeit der Welt ziemlich genau 50 Jahre vor Hegels „Phänomenologie des Geistes“(1807) und 100 Jahre vor Darwins Buch „Die Entstehung der Arten“(1859). (Haug 2008) Er wirkte lange vor Feuerbachs Auseinandersetzung mit der Religion in „Das Wesen des Christentums“ (1841) und großen Entwicklungen in der Physik, Chemie etc., die auch wesentliche Erkenntnisse über die Entstehung der Welt mit sich brachten. Kant beschäftigt sich in einer Zeit mit hoch komplexen philosophischen, physikalischen und mathematischen Themen, in der die Erkenntnisse der Menschheit über die Welt im Vergleich zu heute sehr gering waren. (Kant 1995) Kants setzte sich einerseits mit den Dingen an sich und unseren Erfahrungen und Erkenntnissen mit diesen auseinander, andererseits mit der Erscheinung der Dinge auf transzendentaler Ebene. In diesem Zusammenhang versucht Kant in den Antinomien der reinen Vernunft, den Empirismus und Rationalismus des 17. Und 18. Jahrhundert zu kritisieren. (Ludwig 2017, S. 16) Die neuen Erkenntnisse der heutigen Zeit sind im Vergleich zu Kants Lebzeiten mit großen Entwicklungen in der Astronomie verbunden, die es mittlerweile, am 10.04.2019, bewerkstelligen konnte, das erstes Bild eines Schwarzen Loches aufzunehmen. Vor 100 Jahren entwickelte Albert Einstein seine Relativitätstheorie, die heute von Astronomen und Physikern genutzt wird. (Seidler 2019) Die Entwicklung der Physik und der Astronomie in der Gegenwart mit Hilfe von Forschungen von Stephen Hawking, der sich auf die Relativitätstheorie und die Rolle der Schwerkraft bezieht, haben viele Fragen beantwortet, mit denen Kant sich beschäftigte. Hawking ging davon aus, dass „Der Wegfall von Ereignishorizonten bedeutet, dass es keine Schwarzen Löcher gibt – im Sinn von Systemen, aus denen Licht nicht ins Unendliche entkommen kann“. (Spektrum Kompakt 2016, S. 50)  Obwohl die Erkenntnisse von Raum und Zeit, über die Astronomie und die Komplexität des Universums in der Zeit von Kant sehr gering waren, beschäftigte Kant sich auf sehr komplexe philosophische Art und Weise mit diesen Erkenntnissen und versuchte durch seine Auseinandersetzungen in der „Kritik der reinen Vernunft“, eine philosophische Antwort auf diese Auseinandersetzung zu geben. (Kant 1995) In der Vorrede der „Kritik der reinen Vernunft“ schreibt Kant: „ich versuche aber hierrunter nicht eine Kritik der Bücher und Systeme, sondern des Vernunftvermögens überhaupt, in Ansehung aller Erkenntnisse, zu denen sie, unabhängig von aller Erfahrung, streben mag, mithin die Entscheidung der Möglichkeit oder Unmöglichkeit einer Metaphysik überhaupt die Bestimmung so wohl der Quellen, als des Umfangs und der Grenzen derselben, alles aber aus Prinzipien.“ (Kant 1995, A XII)

Bevor ich mich mit der kantischen Kritik des Empirismus und Rationalismus des 17. und 18. Jahrhundert beschäftige, muss ich verstehen, was Kant unter Vernunft verstand. Kant definiert selbst: „Die menschliche Vernunft hat das besondere Schicksal in einer Gattung ihrer Erkenntnisse: daß sie durch Fragen belästigt wird, die sie nicht abweisen kann, denn sie sind ihr durch die Natur der Vernunft selbst aufgegeben, die sie aber auch nicht beantworten kann, denn sie übersteigen alles Vermögen der menschlichen Vernunft.“ (Kant 1995, A VII, 11) Kant ist der Meinung, dass die Vernunft des Menschen mit der Erfahrung und den nie aufhörenden, immer neuen Fragen in enger Verbindung steht, aber über sie hinausgeht. Insofern sei  die gesamte Menschenvernunft mit der Erfahrung und Infragestellung der Erfahrung verbunden, weshalb sie widersprüchlich sei. Er ist der Meinung, dass der Kampfplatz dieser endlosen Streitigkeiten Metaphysik heißt. (Kant 1995, A VII, IX, 11)

Kants rationalistische Metaphysik ist in seiner Zeit eine radikale, zerstörerische, transzendental-philosophische Erneuerung und eine scharfe Kritik an verschiedenen philosophischen Richtungen seiner Zeit. Newtons mechanisch-physikalische Theorie bilden die Grundlage seines entfalteten kosmologischen Weltbild. (Haug 2008, S. 88)

Die kantische Philosophie bildet eine Grundlage für den deutschen Idealismus, der später von Hegel restauriert wurde. Kant ist für die kopernikanische Wende in der Philosophie berühmt. Er stellte das Subjekt (den Menschen) in den Mittelpunkt seiner Philosophie. Die kopernikanische Wende in den Naturwissenschaften lehnte alle Erkenntnisse der vorherigen und damaligen Wissenschaftler von der Antike bis zum Mittelalter ab, die der Meinung waren, dass die Erde im Zentrum der Universums stehe. Mit den Werken von Kepler (1571-1630), Kopernikus (1473-1543), Galileo (1564-1642), Newton (1643-1727) etc. wurden die Theorien und Hypothesen anderer Denker ihrer Zeit und der Antike widerlegt und die Idee von der Sonne im Zentrum des Universums zur neuen Theorie gegen die Lehre der Religion gemacht. Daraus entstand eine große Revolution, die sogenannte kopernikanische Revolution. Was Kopernikus und seine Mitstreiter mit den Naturwissenschaften vollzogen, wandte Kant auf die Philosophie an: Hier vertrieb die Sonne die Erde aus dem Zentrum des Universums, dort der Mensch Gott aus dem Zentrum des menschlichen Lebens.

Kant leitete eine neue Zeit in der deutschen und modernen Philosophie ein. Er ist einer der einflussreichsten Philosophen bis heute. Seine theoretischen und rechtlichen Überlegungen spielen weiterhin in vielen Bereichen wie der Justiz, dem Staatsapparat, in der Moralphilosophie, in den Universitäten etc. eine große Rolle und werden auch häufig in Zusammenhang mit dem Asylrecht und der Immigration zitiert und verwendet. Kant wurde auch häufig sowohl von den Rechten als auch von den Linken kritisiert und widerlegt. Viele von Kants Kritikern sind ihm gegenüber ungerecht und versuchen, aus Kant einen Philosophen zu machen, der die Welt nur metaphysisch betrachtete. Andere Kritiker, die Kant aus linker Perspektiv kritisieren, widerlegen diese Vorwurfe an Kant. Auch im Kontext der russischen Revolution wurde diese Diskussion geführt: Die Machisten (Anhänger von Ernst Mach 1838-1916) waren die rechten Kritiker von Kant und die Sozialisten die linken Kritiker. (Lenin 1962, 191)

Hegel bezeichnet die Entwicklung der Philosophie mit dem Bild der Knospen, die sich aus der Negation der Knospen heraus zu Blütenblättern entwickeln können. Ich möchte dieses Bild auf die kantische Philosophie übertragen, die die Rolle der Knospen in der Geschichte der Philosophie spielt, aus deren Negation Hegels spekulative Dialektik und Marx‘ historisch-materialistische Dialektik entsteht. Hegel schreibt: „Dies bessere Los betrifft jedoch nur das äußere Schicksal; denn ihre Gestalt und Inhalt ist derselbe geblieben, als er sich durch eine lange Tradition fortgeerbt, jedoch in dieser Überlieferung immer mehr verdünnt und abgemagert hatte; der neue Geist, welcher der Wissenschaft nicht weniger als der Wirklichkeit aufgegangen ist, hat sich in ihr noch nicht verspüren lassen. Es ist aber ein für allemal vergebens, wenn die substantielle Form des Geistes sich umgestaltet hat, die Formen früherer Bildung erhalten zu wollen; sie sind welke Blätter, welche von den neuen Knospen, die an Ihren Wurzeln schon erzeugt sind, abgestoßen werden.“ (Hegel 1975b, S. 4–5) „Die Knospe verschwindet in dem Hervorbrechen der Blüte und man könnte sagen, daß jene von dieser widerlegt wird; ebenso wird durch die Frucht die Blüte für ein falsches Dasein der Pflanze erklärt […].“ (Hegel 2017, S. 12)

Hegel kritisiert einerseits Kants Auseinandersetzung und hält seine Philosophie für unwissenschaftlich. Andererseits, wie in den Zitaten von Hegel gezeigt, spielt die Philosophie vor Hegel die Rolle einer Knospe, die durch die Blüte negiert wird, welche diese Philosophie zur Wissenschaft machen. Die Kants Arbeiten, insbesondere die „Kritik der reinen Vernunft“, bilden eine ursprüngliche Art der Dialektik, die Kant transzendentale Dialektik nennt. Die Dialektik als Begriff und Herangehensweise wurde nicht erst von Kant verwendet, sondern bereits in der Antike, in der arabischen Philosophie etc. auf eine andere Art. (Kahl und Ibn-Sahl 1994, 189ff) Aufgrund der geringen Kapazität dieser Arbeit, kann die Erforschung der ursprünglichen Dialektik nicht vertieft werden. Um aber die kantische Dialektik zu verstehen, muss man die ursprüngliche Dialektik in der Antike und die arabische Philosophie untersuchen, die eine Grundlage der transzendentalen Dialektik bilden. Im Folgenden wird Kants dialektische Methode bearbeitet, die in der „Kritik der reinen Vernunft“ neben seinen analytischen Darstellungen verwendet wurde, und die Unterschiede seiner Dialektik zur hegelschen und marxschen Dialektik herausgearbeitet, die über die Grenzen der transzendentalen Dialektik von Kant hinausgehen und sich in der spekulativen Dialektik bei Hegel sowie der materialistischen Dialektik bei Marx darstellen.

Kants kosmopolitische Weltanschauung verhinderte jede direkte Überwindung der Unterdrückung durch die Monarchie. Kant wurde häufig auf eine oberflächliche Art dafür kritisiert, dass er seine Heimatstadt nie verlassen habe. Meine Kritik an Kant wird sich nicht auf diese Ebene berufen, sondern ist eine scharfe Kritik an seinen Umgang mit der Monarchie als eine unfassbar menschenverachtende Form der Staatlichkeit. In seinen häufigen Briefen an Monarchen ordnete sich Kant als Wissenschaftler unter und wollte aufgrund seiner konservativen Einstellung keine klare Position gegen die Barbarei der Monarchie beziehen. Im Gegenteil legitimiert er die Monarchie, will ihre Macht allerdings einer bürgerlichen, republikanischen Verfassung unterordnen. Kant spricht in „Religion innerhalb der Grenzen der bloßen Vernunft“ von der „Revolution der Denkungsart“, vertritt eine kontrarevolutionäre Position über die Monarchie und verachtet gleichzeitig die französische Revolution. Kant unterscheidet die Tugendpflicht von der Freiheit des Handelns, aber er hält Pflicht und bürgerliche Gesetze für sinnvoll, die auf die Menschen Zwang ausüben und ihre Freiheit beschränken. Für Kant spielen der kategorische Imperativ und die Vernunft eine zentrale Rolle, die nur in einem republikanischen Staat durchgesetzt werden können. (Kant 1984, 15ff) Seine reformistische Analyse drückt Kant in „Die Religion innerhalb der Grenzen der Vernunft“ aus und geht davon aus, dass der Mensch von Natur aus böse sei, weswegen er eine Revolution der Denkungsart brauche. (Kant 2017, 57ff) Kant schreibt: „Wenn der Mensch aber im Grunde seiner Maximen verderbt ist, wie ist es möglich, daß er durch eigene Kräfte zu Stande bringe, und von selbst ein guter Mensch werde? Und doch gebietet die Pflicht es zu sein, sie gebietet uns aber nichts, als was uns tunlich ist. Diese ist nicht anders zu vereinigen, als daß die Revolution für die Denkungsart, die allmähliche Reform aber für die Sinnesart (welche jener Hindernisse entgegenstellt), notwendig, und daher auch dem Menschen möglich sein muß.“ (Kant 2017, 62 B55) Gegen solch konservative Darstellung, wie auch Feuerbach sie wiederholt, schreibt Marx in der dritten These über Feuerbach: „Die materialistische Lehre von der Veränderung der Umstände und der Erziehung vergißt, daß die Umstände von den Menschen verändert und der Erzieher selbst erzogen werden muß. Sie muß daher die Gesellschaft in zwei Teile – von denen der eine über ihr erhaben ist – sondieren. Das Zusammenfallen des Ändern[s] der Umstände und der menschlichen Tätigkeit oder Selbstveränderung kann nur als revolutionäre Praxis gefaßt und rationell verstanden werden.“ (Marx 1969, 5ff) Friedrich Engels ist der Meinung, dass die deutsche Philosophie – im Gegensatz zur Philosophie der Franzosen, die sie im Kampf gegen das System eingesetzt haben – durch Professoren zur Lehre des Staates und anerkannter Lehrbücher gemacht werde, die an den Universitäten von diesen Professoren weitergegeben wurden, was mit Kant beginnt und mit Hegel auf andere Weise weitergeht. (Engels 1975, 265ff) Engels Kritik betrifft nicht nur die kantische Philosophie als Lehre der Despotie des deutschen Staates und als eine neue Religion, die den Absolutismus der Religion und der Kirche durch die Vernunft und Moralkritk aufgriff und versuchte, diese Philosophie zur neuen Religion des deutschen Staates zu machen, sondern sie richtet sich auch gegen den gesamten deutschen Idealismus, insbesondere gegen Hegel und Feuerbach. (Engels 1975)

Zum Unterschied zwischen französischer und deutscher Philosophie schreibt Engels: „Wie in Frankreich im achtzehnten, so leitete auch in Deutschland im neunzehnten Jahrhundert die philosophische Revolution den politischen Zusammenbruch ein. Aber wie verschieden sahn die beiden aus! Die Franzosen in offnem Kampf mit der ganzen offiziellen Wissenschaft, mit der Kirche, oft auch mit dem Staat; ihre Schriften jenseits der Grenze, in Holland oder England gedruckt, und sie selbst oft genug drauf und dran, in die Bastille zu wandern. Dagegen die Deutschen – Professoren, vom Staat eingesetzte Lehrer der Jugend, ihre Schriften anerkannte Lehrbücher, und das abschließende System der ganzen Entwicklung, das Hegelsche, sogar gewissermaßen zum Rang einer königlich preußischen Staatsphilosophie erhoben! Und hinter diesen Professoren, hinter ihren pedantisch-dunklen Worten, in ihren schwerfälligen, langweiligen Perioden sollte sich die Revolution verstecken? Waren denn nicht grade die Leute, die damals für die Vertreter der Revolution galten, die Liberalen, die heftigsten Gegner dieser die Köpfe verwirrenden Philosophie? Was aber weder die Regierungen noch die Liberalen sahen, das sah bereits 1833 wenigstens ein Mann, und der hieß allerdings Heinrich Heine.“ (Engels 1975, S. 265)

Dass Kants Philosophie kein echtes emanzipatorisches oder revolutionäres Potenzial beinhaltet, zeigt sich allein darin, dass sie von der Monarchie bis zum bürgerlichen Staat sowie in den Institutionen der bürgerlichen Bildung eine tragende Rolle spielt. Diese Vertreter der Ungerechtigkeit nutzen Kants Rechtsbegriff zur Legitimation ihrer Herrschaft. Eine solche Rezeption und Inanspruchnahme ist nur möglich, da die kantische Philosophie selbst dafür die Grundlage legt.

Freiheitstheorie

Für Kant steht die Erscheinung der Dinge über den Dingen an sich. Nach Kant kann der Mensch nicht über seine Erfahrung die Dinge erkennen, sondern durch die Vernunft und den Verstand, die über der Erfahrung stehen. Kant argumentiert in der „Kritik der reinen Vernunft“ nicht nur gegen die ehemalige Metaphysik, sondern auch gegen Empiristen wie David Hume (1711-1776). Er versucht, die transzendentale Philosophie und Metaphysik als die vernünftigste Erklärung darzustellen, die jemals existiert hat. (Kant 1995, B 490ff, 440) Die Auseinandersetzung von Kant mit der Dialektik bezieht sich auf eine extrem abstrahierte Auseinandersetzung mit den Dingen, die Dinge an sich abstrahieren und ihre Erscheinung beim Subjekt, die auf einer vernünftigen Weise im Kopf von Subjekt sich befinden als zentral darstellen und damit gegen die kopernikanische Wende argumentiert er, warum die Harmonie nur beim Subjekt und nicht in der Objekt steckt. In einem anderem Buch „Kritik des Urteilskraft“ „Transzendentale Ästhetik“ führt Kant seine Argumentation über die Harmonie und die Symmetrie beim Subjekt weiter und entwickelt seine ästhetische Theorie, die wiederum wieder den Subjekt in den Mittelpunkt stecken. (Kant 1970)

Download  Kritik an Dialektik von Kant

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